Northvolt und Folgeeffekte: Region Heide stellt Weichen für die Zukunft

Der Baustart von Northvolt leitet eine neue Ära ein: Mit der Schaffung von 3.000 direkten Arbeitsplätzen und einem erwarteten Gesamt-Anstieg der Bevölkerung um etwa 10.000 Menschen werden die Zielsetzungen des Stadt-Umland-Konzepts (SUK) von 2020 deutlich übertroffen. Eine neue Entwicklungsstrategie soll die Planungen der Kommunen unterstützen.

Vorausschauende Planung ist bei der Umsetzung eines Großvorhabens wie der Northvolt-Ansiedlung entscheidend. Darüber konnten sich Vertreterinnen und Vertreter der Region Heide im Herbst 2023 bei ihrem Besuch im schwedischen Skellefteå informieren. Bereits vorher stand die Entwicklungsagentur Region Heide (EARH) sowie die Stadt- und Amtsverwaltung im Austausch mit dem Standort der ersten Northvolt-Fabrik, die 2022 ihren Betrieb aufnahm. Den Ratschlag, erforderliche Wohn, Gewerbe- und Industriegebiete frühzeitig auf den Weg zu bringen, nimmt die Region Heide sehr ernst und veranlasste frühzeitig eine Anpassung ihrer interkommunalen Entwicklungsstrategie.

Die beauftragen Fachbüros haben im ersten Schritt eine umfassende Analyse der zu erwartenden Auswirkungen und Effekte der NV-Ansiedlung und weiterer Großprojekte in der Region Heide (z.B. Multi-Terminal-Hub, Wasserstoffprojekte) erstellt. Dies erfolgte im Abgleich mit vergleichbaren Vorhaben (z.B. Tesla Grünheide, NV Skellefteå). Drei Handlungsfelder wurden besonders betrachtet:

  • Wohnungsbau / Wohnbauflächenentwicklung
  • Gewerbe- und Industrieflächenentwicklung
  • Auswirkungen im Bereich Natur, Landschaft, Erholung

Die Ergebnisse – v.a. die verzeichneten Potenzialflächen – basieren auf den Angaben der im Prozess umfangreich und mehrfach beteiligten Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen:

  • 14.02.2023: Auftakt-Workshop mit allen Kommunen in der ZLG
  • 03/ 2023: Gemeinde-Workshops zur Flächenentwicklung (je ein Termin pro Kommune)
  • 25.04.2023: Abstimmung räumliches Leitbild und „Gemeinsamen Zielverständnis“ in der ZLG
  • 08/ 2023: Durchführung von Vertiefungsworkshops mit ausgewählten Kommunen
  • 10/ 2023: Vorstellung des Entwurfs des NSK gegenüber den betreffenden Kommunen
  • 11/ 2023 – 01/ 2024: Erstellung Kosten-Nutzen-Analysen; Workshops mit Kommunen
  • 05.03.2024: Regionalkonferenz mit Vorstellung und Diskussion der SUK- / NSK-Entwürfe
  • 26.03.2024: Empfehlung der ZLG an die Kommunen, das SUK und NSK zu beschließen
  • 27.03.2024: Informationsveranstaltung für betroffene Bürgerinnen und Bürger

Folgende Prognosen unterstreichen die Bedeutung einer in der Region abgestimmten Umsetzung der entwickelten Zielkonzepte und Schlüsselprojekte:

  • Direkte und indirekte Beschäftigteneffekte: bis zu etwa 10.000 zusätzliche Arbeitsplätze
  • Flächenbedarf Gewerbe / Industrie / Infrastruktur: bis zu 585 ha (brutto)
  • Bevölkerungsentwicklung: bis zu ca. 15.000 zusätzliche Einwohnende bis 2047
  • Wohnen: bis zu ca. 8.000 zusätzliche Wohneinheiten, 75% davon bis 2030
  • Flächenbedarf Wohnungsbau: bis zu ca. 150 ha (brutto), je nach Bauweise auch mehr
  • Bedarf Kita / Schule: zusätzliche Kinder unter 10 Jahren bis zum Jahr 2036: ca. 2.200

Neben einer individuellen Betrachtung aller 12 Kommunen stand das direkte Umfeld der Northvolt-Fabrik im besonderen Fokus: Auf Basis des „Städtebaulichen Nutzungs- und Strukturkonzepts Heide-West“ (NSK) sollen städtebauliche Konflikte zwischen Wohnen und Industrie frühzeitig vermieden oder reduziert werden. Vor allem für einen optimalen Betrieb der Batteriefabrik ist zudem die Schaffung umfangreicher Erweiterungsflächen für Neben-/ Folgeansiedlungen erforderlich.

Gleichzeitig ist auch die Sicherung und Steigerung der Wohnqualität im Bereich Wesseln, Heide, Lohe-Rickelshof ein wichtiges Anliegen: Durch die Gestaltung eines „Grüngürtels“ sollen örtliche Wohngebiete rechtzeitig vom entstehenden Industrie-/ Gewerbegebiet „abgeschirmt“ werden. Zudem werden neue Fuß-, Rad- und Reitwege vorgeschlagen, um die Naherholungsfunktion zu stärken. Dieser Wunsch wurde u.a. in den Bürgersprechstunden zur Northvolt-Ansiedlung geäußert.

Laut Prognosen werden sich (auf Basis der Wertschöpfungseffekte) über 50 % aller von Northvolt ausgelosten Entwicklungseffekte in den vier Westküsten-Kreise in den 12 Kommunen der Region Heide niederschlagen. Der Umfang und die Intensität dieses Transformationsprozesses ist beispiellos in Schleswig-Holstein und geht weit über rein kommunale Entwicklungen hinaus. Ziel des Stadt-Umland-Konzepts mit seinen 21 Schlüsselprojekten und Gemeindeprofilen ist es, den Kommunen „Werkzeuge“ für eine planvolle und koordinierte Flächenentwicklung an die Hand zu geben, um die eigenen Interessen fundiert vertreten zu können.

Der anstehende Transformationsprozess wird eine große Herausforderung. Damit verbunden besteht aber die Chance, den Wohlstand in der Region nicht nur zu sichern, sondern auch die Attraktivität und Lebensqualität zu steigern. Der prognostizierte Anstieg der Kaufkraft um 41 % bis 2035 verdeutlicht das erhebliche Potenzial für die regionale Wirtschaft, beispielsweise in der Heider Innenstadt und den weiteren Einzelhandels- und Gewerbestandorten der Region. Durch eine gemeinsam abgestimmte und zielgerichtete Planung bleibt die Region Heide zukunftsfähig, indem die Vorteile der Entwicklung in vollem Maße genutzt werden und den Nachteilen konsequent begegnet wird. Eine hohe Lebensqualität und Akzeptanz werden so sichergestellt.

Mit den in den kommenden Wochen anstehenden Beschlüssen der 12 Kommunen zum neuen SUK sind zunächst keine finanziellen Verpflichtungen der Kommunen verbunden. Im Gegenteil: Die vorliegenden Konzepte unterstreichen die große Bedeutung der Region Heide für eine positive Entwicklung des Kreises Dithmarschen, des Landes Schleswig-Holstein und die Erreichung nationaler Ziele der Energiewende und Standortpolitik. Mithilfe des SUK lässt sich die berechtigte Forderung der Region Heide und ihrer Kommunen bzgl. einer weitreichenden finanziellen Unterstützung des Transformationsprozesses nachvollziehbar und fundiert begründen, um die entstehenden Lasten gerecht zu verteilen. Nur so wird eine schnelle Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen möglich sein.

Dokumente als Download:

Stadt-Umland-Konzept (SUK) 2024

Städtebauliches Nutzungs- und Strukturkonzept Heide-West (NSK)

Case-Study: Ansiedlung von Northvolt Drei in der Region Heide

 

Offizieller Projekttitel: Entwicklung planerischer Lösungsansätze für die kommunalen Herausforderungen der Ansiedlung einer Giga-Factory im „Energiewende-Cluster“ der Region Heide, mit finanzieller Förderung durch das Ministerium für Inneres, Kommunales, Wohnen und Sport des Landes Schleswig-Holstein

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