Stadt-Umland-Konzept
Gebietsentwicklungsplan 2000: Interkommunaler Entwicklungsansatz
Der Gebietsentwicklungsplan (GEP) Region Heide Umland aus dem Jahr 2000 ist das erste gemeinsame Rahmenwerk der Stadt Heide und der damaligen sieben an der Ausarbeitung beteiligten Umlandgemeinden Hemmingstedt, Lieth, Lohe Rickelshof, Nordhastedt, Ostrohe, Weddingstedt und Wesseln.
Der GEP reagierte auf steigende Anforderungen an Wohn- und Gewerbeflächen, Infrastruktur und Verkehr sowie auf den verschärften Standortwettbewerb zwischen Regionen. Statt Einzelinteressen in den Vordergrund zu stellen, werden regionale Potenziale gebündelt und eine gemeinsame Grundlage für politische Entscheidungen geschaffen.
Als informelles, integriertes Planungsinstrument ergänzt der GEP die kommunale Bauleitplanung und die staatliche Regionalplanung. Ziele sind eine abgestimmte Siedlungs- und Freiraumentwicklung, die Stärkung regionaler Kooperation und die Definition langfristiger Entwicklungsziele. Grundlage sind übergeordnete Planungen wie der Landesraumordnungsplan Schleswig-Holstein (1998) und der Regionalplan IV (1983). Der Landesraumordnungsplan stuft Heide als Mittelzentrum ein, die Umlandgemeinden als Teil des Stadt Umland Bereichs. Zudem weist er ökologische Vorrangräume, touristisch bedeutsame Gebiete und Entwicklungsrahmen für Wohnungsbau und Erwerbspersonenentwicklung aus.
Bis 2010 wird ein Wohnungsneubaubedarf von rund 1.500 Einheiten prognostiziert; gleichzeitig steigt die Zahl der Erwerbspersonen, insbesondere der Frauen, was neue Arbeitsplatzangebote erfordert. Gemeinden ohne zentrale Funktion dürfen ihren Siedlungsbestand nur begrenzt erweitern, können aber besondere planerische Funktionen erhalten.
Der Regionalplan IV weist den Gemeinden noch ältere Funktionszuweisungen zu, die jedoch im Zuge der Fortschreibung aktualisiert wurden. Alle beteiligten Gemeinden liegen im Siedlungsgebiet des Mittelzentrums Heide; einige wie Lohe Rickelshof und Wesseln sind baulich eng mit Heide verflochten. Die Bestandsaufnahme umfasst Flächennutzungen, Gemeindeprofile, bestehende Planungen und Kooperationsstrukturen.
Darauf aufbauend werden Nutzungskonflikte, Siedlungsreserven und Entwicklungsoptionen bewertet. Prognosen zu Bevölkerung, Arbeitsmarkt und Pendlerströmen verdeutlichen die funktionale Verflechtung der Region und den Bedarf an abgestimmten Lösungen.
Zentrale Themen des GEP sind die Entwicklung von Wohn- und Gewerbeflächen, die Sicherung sozialer Infrastruktur, die Gestaltung von Landschafts- und Freiräumen sowie die Verkehrsplanung. Die Verkehrsuntersuchung zeigt Belastungen im bestehenden Netz und prüft Entlastungsoptionen, insbesondere für Heide und die nördlichen Umlandgemeinden.
Die Einzelhandelsuntersuchung analysiert die Versorgungsstrukturen und entwickelt Empfehlungen zur Stärkung der mittelzentralen Funktion Heides sowie der Grundversorgung in den Umlandgemeinden.
Der GEP formuliert Leitlinien für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung, legt Eignungsbereiche für Wohn- und Gewerbeflächen fest und gibt Empfehlungen für die örtliche Entwicklung.
Er betont die Bedeutung eines gemeinsamen Regionalbewusstseins und einer verbindlichen interkommunalen Zusammenarbeit, um Konkurrenz abzubauen, Infrastruktur effizient zu nutzen und die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu stärken. Abschließend werden Modelle künftiger Kooperation skizziert, die die Umsetzung gemeinsamer Projekte erleichtern, Entscheidungsprozesse bündeln und die Region langfristig in die Lage versetzen, auf demografische, wirtschaftliche und ökologische Veränderungen geschlossen zu reagieren.
SUK 2012: Gründung der Entwicklungsagentur
Das Stadt-Umland-Konzept (SUK) der Region Heide wurde im Jahr 2012 erarbeitet, um die gemeinsame Entwicklungsstrategie der Stadt Heide und der nun elf beteiligten Umlandgemeinden aus dem GEP zu aktualisieren und an neue gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Rahmenbedingungen anzupassen.
Die Region agiert weiterhin als funktionaler Lebens , Arbeits und Versorgungsraum, dessen Herausforderungen nur im Verbund gelöst werden können. Die Kommunen sind durch Pendlerströme, gemeinsame Infrastruktur, wirtschaftliche Beziehungen und soziale Netzwerke eng miteinander verflochten. Das SUK analysiert diese Verflechtungen und leitet daraus strategische Ziele für die kommenden Jahre ab.
Zentrale Handlungsfelder des SUK 2012 sind:
- Sicherung einer ausgewogenen Wohnraumentwicklung
- Stärkung der wirtschaftlichen Basis
- Weiterentwicklung der sozialen Infrastruktur
- Ausbau klimafreundlicher Mobilität
- Schutz und die Qualifizierung von Landschafts und Freiräumen
Dabei ist zu beachten, dass räumliche Entwicklungen nur dann nachhaltig wirken, wenn sie abgestimmt erfolgen. Die Stadt Heide nimmt weiterhin die Rolle des Mittelzentrums ein, während die Umlandgemeinden ergänzende Funktionen im Wohnen, Gewerbe, Tourismus und in der Nahversorgung übernehmen.
Festgelegte räumliche Entwicklungsoptionen im SUK sind unter anderem Schwerpunktbereiche für Wohnbauflächen, geeignete Standorte für Gewerbe und Bereiche, die aus ökologischen oder landschaftlichen Gründen freigehalten werden sollen. Gleichzeitig ist es erforderlich, auf die wachsenden Herausforderungen durch den demographischen Wandel zu reagieren und gleichzeitig Maßnahmen zur Umsetzung der einzelnen Handlungsfelder zu erarbeiten. Hierbei passt die Region Heide geplante Siedlungsstrukturen an veränderte Bedarfe (z.B. altersgerechtes Wohnen) an und sichert die Versorgung sowohl durch das Mittelzentrum Heide als auch durch die ergänzende Funktion der Umlandgemeinden.
Zeitgleich wird die Stärkung der Innenentwicklung durch Leerstandsreduktion und Revitalisierung priorisiert, wodurch der Flächenverbrauch in der Region Heide reduziert werden soll. Durch die Bündelung aller Maßnahmen entsteht ein anpassungsfähiges Konzept, das demografische, ökologische und wirtschaftliche Dynamiken in der Region steuert.
Neuerungen und Weiterentwicklungen gegenüber dem GEP 2000
Im Vergleich zum GEP von 2000 setzt das Stadt-Umland-Konzept neue Schwerpunkte und passt bestehende Ziele an aktuelle Entwicklungen an. Während der GEP vor allem die räumliche Ordnung, die Flächenverteilung und die interkommunale Abstimmung im Fokus hat, ergänzt das SUK diese Grundlagen um stärker strategische und zukunftsorientierte Themen. Dazu gehören der demografische Wandel, die Energiewende, der Klimaschutz, die Innenentwicklung und die Stärkung der Daseinsvorsorge.
Das SUK verschiebt den Schwerpunkt von der reinen Flächenvorsorge hin zu einer qualitätsorientierten Entwicklung, die Flächen sparsam nutzt und bestehende Siedlungsstrukturen stärkt. Zudem verankert das Konzept die interkommunale Zusammenarbeit stärker institutionell und entwickelt konkrete Kooperationsmodelle weiter, die über die im GEP formulierten Ansätze hinausgehen. Insgesamt zeigt das SUK, wie die Region auf neue gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Anforderungen reagiert und die gemeinsame Entwicklungsstrategie fortschreibt.
SUK-Fortschreibung 2020: Positiver Entwicklungstrend
Das SUK aus dem Jahr 2020 aktualisiert die regionale Entwicklungsstrategie für Heide und elf Umlandgemeinden angesichts tiefgreifender Veränderungen der 2010er-Jahre. Die Region steht zum Zeitpunkt der Fortschreibung vor neuen Herausforderungen, die weit über klassische Fragen der Siedlungsentwicklung hinausgehen: Digitalisierung, Klimawandel, Energiewende, veränderte Mobilitätsbedürfnisse und Fachkräftemangel. Das SUK versteht die Region als eng verflochtenen Lebens und Wirtschaftsraum, der nur durch abgestimmtes Handeln zukunftsfähig bleibt.
Die Bevölkerungsentwicklung der Region Heide zeigt, dass sich die Bevölkerungszahlen insgesamt deutlich positiver als 2012 prognostiziert entwickelt haben. Der demografische Wandel bleibt als grundlegende Herausforderung jedoch erhalten. Aufgrund des anhaltenden Bevölkerungswachstums wurde die Zahl der Wohnbaukontingente für die Kommunen deutlich erhöht.
Die Zukunft der Gewerbeentwicklung in der Region wird von Digitalisierung, Fachkräftesicherung und regionale Wertschöpfung bestimmt. Dort ansetzende Maßnahmen wie die effiziente Nutzung vorhandener Flächen, die Unterstützung etablierter Betriebe und die Ansiedlung innovativer Branchen konzentrieren sich auf Heide als wirtschaftliches Zentrum. Die Westküste positioniert sich als Energieregion mit Fokus auf Windenergie, Wasserstoff und innovative Technologien.
Eine Analyse des Mobilitätsverhaltens hat ergeben, dass mehr Radverkehr, ein höherer ÖPNV Bedarf und mehr multimodale Wegeketten erforderlich sind, um die Region Heide in Sachen Mobilität zukunftsfähig aufzubauen. Erforderliche Maßnahmen sind unter anderem der Ausbau von Radwegen, die Stärkung des Busverkehrs und die bessere Vernetzung der Gemeinden.
Über alle Themen hinweg zieht sich ein Leitgedanke: Die Region kann ihre Potenziale nur dann voll ausschöpfen, wenn die Kommunen verbindlich zusammenarbeiten. Das SUK 2020 formuliert daher konkrete Vorschläge für eine vertiefte interkommunale Kooperation. Diese erfolgt unter anderem in Form von gemeinsamen Planungsprozessen, abgestimmten Flächennutzungen und regionalen Arbeitsgruppen. Die Zusammenarbeit soll dauerhaft und verbindlich erfolgen.
Weiterentwicklungen gegenüber dem SUK 2012 und dem GEP 2000
Das SUK 2020 führt die strategische Entwicklung der Region fort und setzt neue Schwerpunkte. Dies gilt insbesondere für die Entwicklung des Wirtschaftsstandort unter dem Leitthema der “Energieregion Heide”. Im Bereich westlich von Heide wurden umfangreiche Potenzialflächen für die Ansiedlung zukünftiger Gewerbe- und Industriebetriebe beschlossen. Auch der zukünftige Bau des Multi-Terminal-Hubs eine entsprechende Planung der Landesentwicklungsachse waren bereits Gegenstand der SUK-Fortschreibung.
Anlassbezogene Aktualisierung der SUK 2024
Die Aktualisierung des SUK 2024 beschreibt, wie sich die Region Heide auf eine neue Entwicklungsphase einstellen, die durch industrielle Großvorhaben und große Infrastrukturprojekte geprägt ist.
Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis, dass die Ansiedlung von Großvorhaben erhebliche Auswirkungen auf Wohnen, Gewerbe, Infrastruktur und Landschaft haben wird. Die Bevölkerungsentwicklung wird sich nochmas positiver entwickeln, als im SUK 2020 angenommen: Für die kommenden Jahre wird ein zusätzlicher Bedarf von 7.100 bis 8.600 Wohneinheiten erwartet. Diese Entwicklung soll genutzt werden, um bestehende Herausforderungen des Wohnungsmarktes gezielt anzugehen.
Auch die Gewerbeentwicklung erfährt eine neue Dimension. Die Region Heide rechnet mit bis zu 10.800 zusätzlichen Arbeitsplätzen, die durch Ansiedlung von Großvorhaben, die Wasserstoffwirtschaft und weitere Folgeansiedlungen entstehen können. Damit verbunden ist die Notwendigkeit, ausreichend planungs- und eigentumsrechtlich gesicherte Gewerbe- und Industrieflächen bereitzustellen. Die Region verfolgt dabei ein gestuftes Konzept, das sowohl große Industrieflächen als auch kleinteilige Gewerbestandorte berücksichtigt, um regionale Unternehmen und Gründungen einzubinden.
Gleichzeitig rücken Themen wie Fachkräftesicherung, Verkehrsanbindung und Energieinfrastruktur stärker in den Fokus. Zudem ist der Anspruch entstanden, einen fairen Kosten-Nutzen-Ausgleich zwischen den Kommunen zu schaffen, da Gewerbeansiedlungen und Wohnraumentwicklung unterschiedliche finanzielle Effekte erzeugen.
Die Landschafts- und Freiraumentwicklung erhält in der Fortschreibung ein klar konstruiertes Leitbild: Ein großräumiger Grüngürtel soll Heide umschließen, den Biotopverbund stärken, Klimaanpassung ermöglichen und Naherholungsräume sichern. Dieser Grüngürtel wird als verbindendes Element zwischen Stadt und Umland verstanden und soll durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen gezielt weiterentwickelt werden. Mit dem Geestpark im Westen von Heide liegt ein erster konkreter Ansatz vor, der Naturraum, Erholung und landwirtschaftliche Nutzung miteinander verbindet.
Um die vielfältigen Herausforderungen zu bewältigen, definiert das Konzept ein umfangreiches Maßnahmenprogramm mit 22 Schlüsselprojekten. Diese reichen von Wohnungsbauoffensiven, Klimaschutz- und Klimaanpassungsmanagement und dem Aufbau eines Multi-Terminal-Hubs bis hin zu der Entwicklung eines interkommunalen Gewerbe- und Industriestandortes. Ein erweitertes Monitoring mit neuen Soll-Zielen und kürzeren Evaluationszyklen soll sicherstellen, dass die Region flexibel auf die hohe Dynamik reagieren kann. Gleichzeitig müssen die bestehenden Strukturen personell, organisatorisch und finanziell gestärkt werden, um die Umsetzung zu gewährleisten.
Weiterentwicklung gegenüber dem SUK 2020
Die Fortschreibung des SUK aus 2024 stellt eine deutliche Weiterentwicklung des SUK 2020 dar, welche vor allem durch die neuen industriellen Großvorhaben und die damit verbundene Dynamik in der Region ausgelöst wurde. Das SUK gilt als zentrales Umsetzungsinstrument für die kommunalen Herausforderungen, die sich im Zusammenhang mit industriellen Großvorhaben ergeben. Dabei gilt der Grundsatz, dass nur mithilfe von umsetzbaren und verlässlichen Rahmenbedingungen eine erfolgreiche Umsetzung gelingen kann.
Neue Themenbereiche des SUK 2024 sind:
- Stärkerer Fokus auf die Steuerung von Großansiedlungen
- Steigende Prognosen für Bevölkerung, Wohnen und Beschäftigung
- Neues gestuftes Konzept regional bedeutsamer Gewerbe- und Industriestandorte
- Kosten-Nutzen-Ausgleich zwischen den Kommunen
- Zusammenhängendes, strategisches Grüngürtel-Konzept als zentrales Element der räumlichen Entwicklung
- Erweitertes Maßnahmenprogramm mit insgesamt 22 Schlüsselprojekten
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